6,5 Milliarden Euro Bundeszuschuss haben die Netzentgelte 2026 spürbar gesenkt. Für 2027 bis 2029 hat das Kabinett eine Fortsetzung beschlossen – mit weniger Geld. Was das für deine Stromrechnung bedeutet.
Wenige Posten auf der Stromrechnung sind so unsichtbar wie die Netzentgelte. Dabei machen sie rund ein Viertel des Haushaltsstrompreises aus. Sie finanzieren Bau, Betrieb und Ausbau der Stromnetze – von den großen Höchstspannungsleitungen der vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW bis zum Hausanschluss beim örtlichen Verteilnetzbetreiber.
Was 2026 passiert ist
Für 2026 hat der Bund den vier Übertragungsnetzbetreibern einen Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds gezahlt. Das Übertragungsnetzentgelt sank dadurch im Schnitt um rund 57 Prozent – von 6,65 auf 2,86 Cent je Kilowattstunde.
Bei Haushalten kommt davon ein Teil an: Die Netzentgelte für Haushaltskunden sanken 2026 im Schnitt um knapp 2 Cent je Kilowattstunde. Nach Rechnung der Bundesregierung macht das für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden rund 100 Euro im Jahr aus. Wie viel es im Einzelfall ist, hängt vor allem vom örtlichen Verteilnetz ab.
Warum nicht alle gleich viel sparen
Die Netzentgelte bestehen aus zwei Schichten. Die Übertragungsnetzentgelte sind bundesweit einheitlich – hier wirkt der Zuschuss. Die Verteilnetzentgelte legt jeder der rund 850 Verteilnetzbetreiber selbst fest, und sie unterscheiden sich stark: In dünn besiedelten Regionen mit viel Netzausbau sind sie deutlich höher als in dichten Städten. Diese Spreizung gleicht der Zuschuss nicht aus.
Seit 2025 gibt es zusätzlich einen bundesweiten Ausgleich: Die Mehrkosten, die Netzbetreiber in Regionen mit besonders viel Wind- und Solarausbau tragen, werden über alle Stromkunden verteilt. Davon profitieren vor allem Haushalte im Norden und Osten, deren Netzentgelte zuvor besonders hoch waren.
Und 2027? Weniger Zuschuss, weiter Netzausbau
Der Zuschuss für 2026 war ausdrücklich befristet. Am 3. September 2026 hat das Bundeskabinett beschlossen, ihn fortzusetzen: Für 2027 bis 2029 sollen jährlich 5,525 Milliarden Euro fließen – knapp eine Milliarde weniger als 2026. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen.
Nach der Faustformel des Wirtschaftsministeriums senkt jede Milliarde Euro Zuschuss die Netzkosten für Haushalte um etwa 0,3 Cent je Kilowattstunde. Der kleinere Zuschuss bedeutet für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden rechnerisch also rund 10 bis 12 Euro mehr im Jahr. Wichtiger ist etwas anderes: Der Netzausbau geht weiter, und seine Kosten steigen. Wie sich die Netzentgelte 2027 insgesamt entwickeln, zeigen erst die Preisblätter der Netzbetreiber, die im Herbst veröffentlicht werden.
Was du konkret tun kannst
- Lies deine Stromrechnung. Die meisten Lieferanten weisen die Netzentgelte gesondert aus. Hat sich dein Arbeitspreis 2026 trotz gesunkener Netzentgelte nicht bewegt, lohnt ein Vergleich.
- Nutze § 14a EnWG. Wer eine Wärmepumpe, Wallbox, einen Speicher oder eine Klimaanlage über 4,2 Kilowatt hat, bekommt nach Anmeldung beim Netzbetreiber reduzierte Netzentgelte.
- Erhöhe deinen Eigenverbrauch. Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach verursacht keine Netzentgelte. Das ist der einzige Hebel, der dauerhaft wirkt.
Fazit
Der Bundeszuschuss hat 2026 real entlastet – rund 100 Euro für einen durchschnittlichen Haushalt. Aber er ist ein Dämpfer, keine Lösung: Die Kosten des Netzausbaus verschwinden nicht, sie werden nur teilweise aus dem Bundeshaushalt bezahlt. 2027 fällt der Dämpfer etwas kleiner aus. Wer seine Stromkosten dauerhaft senken will, findet die wirksamen Hebel bei Tarif, Eigenverbrauch und steuerbaren Geräten – nicht bei den Netzentgelten.
Quellen: Bundesregierung (Netzentgelt-Zuschuss 2026 und Kabinettsbeschluss vom 3. September 2026), Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zu den Übertragungsnetzkosten (September 2026), Bundesnetzagentur, Übertragungsnetzbetreiber, Verivox. Stand: 24. September 2026.