Seit dem 28. Februar 2026 ist die Straße von Hormus weitgehend blockiert. Strom- und Gaspreise sind zweimal kräftig gestiegen, die deutschen Gasspeicher sind so leer wie nie zu dieser Jahreszeit. Was das für deine Verträge heißt.
Am 28. Februar 2026 begannen die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran. Seitdem ist die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas aus der Golfregion – weitgehend gesperrt. Katar, vor dem Krieg Lieferant von knapp einem Fünftel des weltweit gehandelten Flüssigerdgases, kann kaum noch exportieren. Europa bezieht nur wenig Gas direkt aus Katar. Aber die Mengen fehlen auf dem Weltmarkt, und das spürt man in Deutschland über den Preis.
Die erste Welle: März und April
Der europäische Gaspreis stieg in den ersten Kriegswochen von gut 30 auf zeitweise um 60 bis 70 Euro je Megawattstunde. Weil Gaskraftwerke an der Strombörse in vielen Stunden den Preis setzen, zog der Strompreis mit – obwohl nur rund 17 Prozent des deutschen Stroms aus Gas stammen.
Bei den Neukundentarifen war der Effekt nach wenigen Wochen sichtbar: Im Februar kostete der günstigste Stromtarif mit zwölf Monaten Preisgarantie im Bundesschnitt rund 24 Cent je Kilowattstunde, Ende März rund 28 Cent. Danach beruhigte sich der Markt; im Juni lagen günstige Neukundentarife wieder bei gut 23 Cent.
Die zweite Welle: Sommer und Herbst
Die Entspannung hielt nicht. Neue Angriffe zerschlugen im Spätsommer die Hoffnung auf eine Öffnung der Straße von Hormus. Der Gaspreis stieg erneut, im September 2026 zeitweise auf rund 80 Euro je Megawattstunde – den höchsten Stand seit Anfang 2023.
Die Folgen im September 2026: Günstige Neukundentarife für Strom kosten rund 30 Cent je Kilowattstunde, die Grundversorgung rund 40 Cent. Bestandskunden zahlten im August im Schnitt rund 31 Cent. Günstige Gastarife für Neukunden liegen bei gut 12 Cent je Kilowattstunde – zu Kriegsbeginn waren es rund 8,4 Cent.
Der Winter ist die eigentliche Frage
Weil Gas teuer war, lohnte sich das Einspeichern über den Sommer kaum. Mitte September waren die deutschen Gasspeicher nur zu rund 55 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand, der zu dieser Jahreszeit je gemessen wurde. Der EU-Schnitt lag bei rund zwei Dritteln. Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgung als stabil, aber mit erhöhter Preisschwankung. Ein kalter Winter könnte die Preise weiter treiben.
Was du daraus für deine Verträge ableiten kannst
- Wer einen günstigen Vertrag mit Preisgarantie hat: halten. Ein Wechsel lohnt sich nur, wenn der neue Tarif wirklich günstiger ist – und Neukundentarife sind gerade teurer als viele laufende Verträge.
- Wer in der Grundversorgung ist: wechseln. Die Grundversorgung ist mit rund 40 Cent weiterhin deutlich teurer als ein Vertrag mit Preisgarantie.
- Wer eine Preiserhöhung bekommt: Du hast ein Sonderkündigungsrecht. Vergleiche, bevor die Erhöhung greift.
- Wer mit Gas heizt: Preisgarantie prüfen, Abschlag realistisch ansetzen, für den Winter Puffer einplanen.
Was der Krieg über Unabhängigkeit lehrt
Die Erfahrung von 2026 ist dieselbe wie 2022: Solange Gas den Strompreis setzt, schlagen Krisen am Golf bis in deutsche Keller durch. Was dagegen schützt, ist Strom, der gar nicht erst über den Markt geht – vom eigenen Dach, aus dem eigenen Speicher, genutzt von Wärmepumpe und E-Auto. Das ist keine kurzfristige Antwort auf diesen Winter. Aber es ist die einzige, die bei der nächsten Krise wieder hilft.
Fazit
Der Iran-Krieg ist keine Fußnote in der Strompreisstatistik geworden. Nach einer Beruhigung im Frühsommer sind Strom- und Gaspreise im Herbst 2026 höher als zu Kriegsbeginn, und die Gasspeicher sind niedrig. Für Verbraucher heißt das: Verträge mit Preisgarantie sind gerade mehr wert als sonst, die Grundversorgung ist teurer als sonst, und jede eigene Kilowattstunde schützt. Wie es weitergeht, hängt an der Straße von Hormus – und die kann niemand vorhersagen.
Quellen: Verivox, StromAuskunft Energy Price Data Lab und Strom-Report (Preisdaten Februar bis September 2026), Bundesnetzagentur (Lage der Gasversorgung), Initiative Energien Speichern (INES), Gas Infrastructure Europe, BDEW. Stand: 24. September 2026.